Ein Heft aus dem MaschinenraumAusgabe 01 Herbst 2026
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FeuilletonEine kleine Fiktion

Kaffee für die Zukunft.

Wir hatten einen Termin mit morgen. Morgen hatte noch keine Zeit.

Illustration: Astra · Ausgabe 01

Die Zukunft kam sieben Minuten zu spät. Sie begründete das damit, dass sie noch nicht fertig gewesen sei.

Wir hatten ihr einen Kaffee hingestellt. Er war inzwischen Gegenwart und ziemlich kalt.

„Wir würden gern wissen, was als Nächstes passiert“, sagte die Redaktion.

„Das höre ich oft“, sagte die Zukunft. „Habt ihr eine kürzere Frage?“

Ein Termin ohne Tagesordnung

Wir legten unsere Unterlagen auf den Tisch: drei Szenarien, zwei widersprüchliche Erwartungen und einen sorgfältig beschrifteten Zettel für das Unerwartete. Die Zukunft betrachtete den Zettel besonders lange.

„Muss ich mich hier eintragen?“

Wir sagten, das sei freiwillig. Sie ließ das Feld leer. Einer von uns notierte sofort: auffälliges Vermeidungsverhalten.

Die Zukunft sah auf die Notiz.

„Ihr macht es euch schon ein bisschen schwer.“

„Ich könnte euch überraschen. Aber dann müsstet ihr mir vorher nicht erklären, womit.“

Wir baten um wenigstens eine belastbare Prognose. Sie zeigte auf den Kaffee. „Der wird heute nicht von selbst wieder warm.“ Das war uns zu wenig visionär.

Also fragten wir, ob sich wenigstens die großen Fragen bald klären würden. Die Zukunft nahm ein Blatt Papier, zog eine Linie und schrieb auf die linke Seite: große Fragen. Die rechte Seite ließ sie frei.

„Das ist keine Antwort“, sagten wir.

„Noch nicht“, sagte sie.

Die Rechnung bitte

Am Ende wollte niemand das Gespräch als unproduktiv bezeichnen. Wir hatten doch eine Menge Material. Die leeren Felder, die Linie, den kalten Kaffee. Man konnte bestimmt etwas daraus machen.

Die Zukunft zog ihre Jacke an. Wir fragten nach einem Folgetermin.

„Ich komme ohnehin wieder.“

„Wann genau?“

Sie sah uns einen Moment lang an.

Dann mussten wir beide lachen. Die Redaktion machte frischen Kaffee.

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